Abu-Raichan Muhammad ibn Ahmad A-Beruniy (973 – 1048)
Wohl der bekannteste Vertreter für die sog. „Renaissance“ im islamischen Orient, neben Ibn Sina und Al-Chorezmiy. Er verfasste große Anzahl fundierter Bücher, Traktate und Kompendien über Geographie, Mathematik, Astronomie, Mineralogie, Geodäsie, Philologie usw. Als Erster in seiner Epoche vertrat er die Meinung, dass die Erde eine Kugelgestalt hat und um die Sonne herum kreist und berechnete folglich auch die Länge vom Erdradius (ca.6000 km). Als einer von 4. weltberühmten Universalgelehrten aus Zentralasien erblickte Muhamad ibn Ahmad abu Raichan al-Beruniy im Jahr 973 in Kath das Weltlicht (Kath war die damalige Hauptstadt von Khwarezmien, was unweit von heutiger Chiva in Usbekistan liegt). Sein anerkannter Beiname „Al-Beruniy“ (bedeutet „außerhalb“, „jenseits“) bezieht sich darauf, daß er in einer Ortschaft außerhalb der Stadtmauer geboren wurde.

Erfolgreiche Verwirklichung unter Ghaznaviden
Mit der Eroberung von Gurganj durch Ghaznaviden (1017), nächste Dynastie mit Großmacht Ansprüchen, hat sich auch im Al-Beruniys Leben gewaltiger Umbruch ereignet. Er musste sich wie viele andere große Denker von der Wissenschaftsakademie in die Dienstbarkeit dem Sultan Machmud hingeben. Damit begann ein neuer Lebensabschnitt für Al-Beruniy. Sein Hauptwirkungsfeld fand er jetzt als Astronom, Mathematiker, Übersetzer, Naturwissenschaftler und Historiker am Hofe von Machmud Ghaznaviy, wo er ab 1018 lebte. Zunächst war seine Position nicht günstig, die Förderung war ebenso begrenzt, er hatte keine richtigen Instrumente und mußte sich mit Eigenbau aus einfachen Mitteln begnügen. Ab 1022 begleitete Al-Beruniy den Sultan Mahmud Ghaznavi auf dessen Eroberungszügen nach Nord-Indien und machte dabei umfangreiche Studien. In seinen wissenschaftlichen Tagebüchern hielt er seine Beobachtungen zu Land und Leuten sowie zur Pflanzen- und Tierwelt der bereisten Gebiete fest, allen voran die Beschreibung Indiens wird später eines seiner wichtigsten Werke werden. Nach dem Tod von Mahmud im Jahr 1030 folgte jedoch dessen Sohn Mas'ud auf den Thron des Ghaznaviden-Reiches nach und Al-Beruni erfuhr nun eine bessere Behandlung und höhere Anerkennung und größere Freizügigkeit, was sich in Al-Beruniy´s Wirken bzw. Werken als glorreiche Periode mit großartigen Errungenschaften und Erfolgen äußerte.
Am 9. Dezember 1048 ist der erhabene Meister bunter Disziplinen in Ghazna (heute Afghanistan) entschlafen.
Al-Beruniys Schriften: Insgesamt hat Al-Beruniy mehr als 130 Schriften verfaßt. Nur ein Fünftel etwa hat die Zeiten überdauert. Al-Beruniy war ferner ein Zeitgenosse von Ibn Sina (Avicenna, lebte in Bukhara), mit dem er in ihrer wechselseitigen Korrespondenz viele Gedanken austauschte und etliche Kontroversen diskutierte. Eine ihrer größten Uneinigkeiten war die der Natur von Wärme und Licht. Al-Beruniy war ein Universalgelehrter und einer der größten Wissenschaftler der islamischen Welt, für den es keine Begrenzungen zwischen den Wissensgebieten gab, denn er dachte interdisziplinär und versuchte stets in seinen Schriften nicht bloß zu beschreiben, sondern vor allem zu vergleichen und Querverbindungen zu ziehen. Demzufolge hat er in Folgenden Richtlinien der Wissenschaft ausgesprochen tadellos recherchiert und leistungsvoll gearbeitet.
Al-Beruniy als Astronom und Geograph: Schon im Jahr 990 berechnete er im Alter 17 Jahren aus der Sonnenhöhe die geographische Breite seiner Heimatstadt Kath. Er stellte mit 22 Jahren als erster im Jahre 995 einen Erdglobus her, konstruierte neue astronomische Instrumente, bewies die Kugelgestalt der Erde und stellte Überlegungen zur Erd-Rotation an. Hinsichtlich der Milchstraße vertrat er die Ansicht, daß diese aus nebelhaften Fragmenten von Sternen bestehe. Ferner gilt Al-Beruniy als der eigentliche Erfinder der Mercator-Zylinderprojektion, die in Europa wesentlich später von Gerhard Mercator (unabhängig von Al-Beruniy) erneut entwickelt wurde. Al-Beruniy entwickelte im Jahre 1023 ein neues Verfahren, um den Radius der Erdkugel zu bestimmen. Mit einem Ergebnis von 6339.6 km, bestimmt am Ufer des Indus, verfehlte er den wahren Wert von 6378.1 km am Äquator nur knapp. Werte ähnlicher Richtigkeit wurden in Europa nicht vor dem 16. Jh. erzielt. Sein Kanon enthält die geographischen Koordinaten von 600 Orten, von denen er die meisten aus eigener Anschauung kannte.
Al-Beruniy als Übersetzer: Al-Beruniy beherrschte viele Sprachen: Arabisch, Persisch, Khwarezmisch (seine Muttersprache, eine mittlerweile erloschene nordostiranische Sprache, die mit dem Sogdischen verwandt war), Sanskrit, das alte Syrisch und Hebräisch. Er übersetzte viele griechische und arabische Traktate in Sanskrit, u. a. die „Elemente“ von Euklid. Ebenso übersetzte er viele Sanskrit-Bücher (z. B. „Sakaya“ über die Schöpfung oder "Patanjal“, das sich mit den Geschehnissen nach dem Tode befaßt) ins Arabische, der damaligen Gelehrtensprache. Die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnis über Kultur- und Religionsgrenzen hinweg war ihm wichtig, um den Austausch zu Erkenntnisgewinn zu nutzen. So wurde Al-Beruniy zu einem bedeutenden Vermittler zwischen dem arabischen, dem griechischen und dem indischen Kulturkreis.
Paradigmenwechsel: Das Wichtigste an seiner Wissenschaftlertätigkeit ist aber das Setzen neuer Maßstäbe zur Erkenntnisgewinnung: Für ihn zählte nur die aufgeschlossene Wahrnehmung der sichtbaren Wirklichkeit, die exakte Messung und Beobachtung, das empirische Experiment, nicht Dogmen, Deduktion oder gar übersinnliche Erklärungsmodelle. Beobachtung, wissenschaftliche Versuche, Kritik, Beweis, Überprüfung – das sind Al-Beruniys wissenschaftliche Instrumente, was zu der betreffenden Zeit einem Paradigmenwechsel gleichkam. In dieser Hinsicht war er seiner Zeit weit voraus.
Religion: Eigentlich war Al-Beruniy ein schiitischer Muslim, doch wird diese Einteilung ihm nur höchst unzureichend gerecht. Als Wissenschaftler hatte er starke agnostische Tendenzen. Vorurteilsfrei und aufgeschlossen interessierte er sich genauso für die griechische wie für die indische Götterwelt, vor allem, um zu vergleichen, und seine Aufzeichnungen über Kultur und Religion Indiens im frühen 11. Jh. sind heute eine beispiellose Quelle. Die kritische Einstellung zu Dogmen war es auch, die ihn in Opposition zu orthodoxen islamischen Theologen brachte und ihm eine Anklage wegen Ungläubigkeit und anschließende Verhaftung einbrachte.
Im 20 Jh. erfuhr Al-Choresmi eine Ehrung der besonderen Art, als ein Mondkrater nach ihm benannt wurde sowie eine kleine Stadt in der Region seines Geburtsorts und weiterhin ein Museum, eine Universität, technisches Forschungsinstitut und etliche Hauptstraßen seinen Namen tragen. Auch erinnern Dutzende Stauen in seiner Heimat an sein wissenschaftliches Genie. Al-Beruniy wird von der UNESCO und ähnlichen Institutionen ständig im Rahmen von Konferenzen und Recherchen hoher Respekt samt hochachtungsvoller Anerkennung erwiesen.


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